Die Gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (Erdkunde, Geschichte, Politik) können in besonderem Maße vom Einsatz von VR profitieren. Artefakte, Gebäude, Orte, Verschwundenes und Natursehenswürdigkeiten in den Unterricht einzubeziehen, spielte in diesen Fächern schon immer eine wichtige Rolle. Der Rundgang durch das Regierungsviertel und den Bundestag ist mit Bundestag 360° nun auch ohne Berlin-Besuch möglich. Auch das Europäische Parlament kann mit einer virtuellen Reise besucht werden. Mit der App Civilisations AR von der BBC werden Artefakte untergegangener Völker im Klassenzimmer real. Ob der Stein von Rosetta, ein korinthischer Helm oder die geschnitzte Maske Noohlmahls aus Kanada – wenn die Ausstattung vorhanden ist oder Schüler ihre eigenen Geräte nutzen dürfen, ist alles mit nur wenigen Klicks im Klassenzimmer einsetzbar. In der App Google Expeditionen werden besondere Orte der Erde per Virtual Reality erfahrbar. Den Grand Canyon erkunden, das Guggenheim Museum besuchen, im Amazonas paddeln oder vor den Galapagos Inseln tauchen – die Möglichkeiten sind vielfältig. Ausgehend von dem Erlebten können Themen ebenfalls problematisiert werden, zum Beispiel der Umgang mit indigenen Völkern im Amazonas, mit Natur und Umwelt oder die Veränderung der Erde durch endogene, exogene und anthropologische Faktoren. Für den Geschichtsunterricht bieten die Zeitfenster Apps ganz neue Möglichkeiten: Durch AR werden die Räume von heute mit Bildern und Quellen vergangener Zeiten erweitert. Auf einer Karte sucht man nach verfügbaren "Zeitfenstern". Vor Ort erkennt die Kamera die Szenerie und es lässt sich ein solches "Zeitfenster" öffnen. Durch anpassungsfähige Bildüberblendung kann man zwischen heute und damals hin und her springen. Man bleibt am gleichen Ort, aber scheint in den Zeiten zu wechseln. Neben Bildern werden Quellen wie Dokumente, Audio- und Videoaufnahmen passend angeboten. Dies funktioniert auch ohne vor Ort zu sein, indem man zum Beispiel eine Panoramaaufnahme von heute zum "Zeitfenster" für die Lernenden reproduziert und mit dieser dann die Möglichkeit der Bildüberblendung nutzt. Auch die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten bieten zunehmend VR- und AR-Inhalte an. Die App WDR AR holt Darstellungen von Kriegskindern des Zweiten Weltkriegs und Zeitzeugen der Geschichte von Anne Frank in den Klassenraum. Die Anwendung WDR 360 VR bringt uns den Kölner Dom greifbar nah. ZDF VR bietet Erlebnisse wie den Dokumentarfilm "Rooms", eine Reise zur historischen Oasenstadt Palmyra, die im syrischen Bürgerkrieg stark beschädigt wurde. Ein Angebot innerhalb der App History 360° ermöglicht virtuelle Ausflüge zum Mond, zum Mars oder zum Tempelhofer Feld. Die deutschen Lehrbuchverlage halten sich mit dem Einsatz von VR und AR in Lehr- und Lernmaterialien (noch) etwas zurück. Ein Start-up aus Österreich verbindet mit der Areeka App schon jetzt Bilder in klassischen Bildungsmedien mit AR-Inhalten. Das alte Ägypten wird mit Hilfe eines Arbeitsheftes lebendig. Auch in normalen Schulbüchern hinterlässt Areeka mehr und mehr augmentierte Bilder, um den Schülern andere Blicke in die Unterrichtsthemen zu bieten. Die Abbildungen in den Schulbüchern dienen dabei als "Marker" für 3D-Modelle, die von der App erkannt werden, um das verknüpfte 3D-Modell zu laden.
Die Naturwissenschaften arbeiten schon immer mit Modellen, Schemata und Visualisierungen. VR kann dieses Spektrum erweitern. Die bereits erwähnte App von Areeka hat auch im MINT-Bereich einen Schwerpunkt. Der innere Aufbau des Menschen, Tiere unserer Erde, geometrische Körper und vieles mehr sind inzwischen augmentiert und können im Unterricht eingesetzt werden. Den menschlichen Körper kann man auch mit der App Virtuali-Tee und dem passenden T-Shirt mit einer animierten und kommentierten Tour erkunden. Die vorbereiteten Themen (Blutkreislauf, Verdauung und Bewegungsapparat) sind umfangreich erklärt und interaktiv gestaltet. Für Grundschüler bieten MergeCubes, Würfel aus Schaumstoff, die mit der passenden App lebendig werden, interessante AR-Erlebnisse. Mit Hilfe der App Galactic Explorer lässt sich das Sonnensystem erforschen, mit Mr. Body können die Schüler einen stilisierten menschlichen Körper und seine inneren Organe erkunden – freibeweglich in der eigenen Hand.